Blut am Shirt

 

„Hast du jetzt Jonathan eigentlich noch geschrieben?“ Marie nickt: „15 Uhr am Friedhof, er kann gerne kommen.“ „Und?“ „Und was?“ Ich setze neu an: „Was hat er geantwortet?“ „Nichts.“ Ich ziehe meine Augenbrauen zusammen. „Denkst du, er kommt?" „Bestimmt.“

In meinem Bauch verspüre ich ein leichtes Ziehen. Aufregung. Ich erinnere mich noch genau:

 

Als ich das erste Mal mit Jonathan gesprochen habe, hatte er Blut am Shirt: Er schien stolz darauf zu sein. Ich war neun Jahre alt. Wir gingen zur gleichen Schule. Er war in meiner Parallelklasse.

Ich hatte nicht viel mit ihm zu tun, aber auf dem Pausenhof war er ein beliebtes Thema. Es hieß, er schlägerte sich. Ich glaube nicht, dass er Freunde in der Grundschule hatte. Damals hatte ihm noch niemand einen Spitznamen gegeben. Alle nannten ihn bei seinem vollen Vornamen: „Jonathan hat heute einen Drittklässler verprügelt.“ „Ich habe gehört, dass Jonathan einen Verweis dafür bekommen hat.“ „Meine Eltern sagen, Jonathan kommt nicht damit klar, dass sein Bruder schwul ist.“

Wie auch immer. Ich war gerade auf dem Weg zur Schule. Es war kurz nach den Osterferien. Aus irgendeinem Grund war ich alleine unterwegs, als sich mein Weg mit Jonathan kreuzte. Seine Haare waren zerzaust, an seinen bunt karierten Shorts leuchteten Grasflecken auf und er trug ein neongelbes T-Shirt, auf dem das Blut besonders hervorstach.

„Tschuldigung, hast du ein Taschentuch?“ Ich stellte meinen Schulranzen ab und wühlte nach einem Taschentuch. „Danke“, sagte er leise und versuchte vergeblich, das getrocknete Blut vom Shirt zu kratzen.

„Brauchst du Wasser?“ Ich wühlte wieder in meinem Ranzen. „Mist, ich hab nur Apfelschorle.“ Er schüttete sich einen Schluck davon übers Shirt und begann zu schrubben. Das machte alles nur schlimmer. Ich lachte. Er sah mich böse an. Ich verstummte.

Dann: „Ist das Blut?“ „Ja.“ Er schien zu lächeln. „Es ist Timos.“ „Was ist passiert?“ „Geht dich gar nichts an.“ „Okay.“ Ich sah mich ein bisschen verlegen um. Die Straßen waren leer. Ich fragte mich, ob Jonathan mich auch einfach so schlagen würde. „Ich glaube, ich muss langsam los…“ „Warte!

Wie heißt du?“ „Charlie.“ „Danke, Charlie, das war cool von dir.“

Ich setzte meinen Schulranzen auf und rannte zur Schule. Natürlich kam ich zu spät. Natürlich hatte ich meine Apfelschorle vergessen. Solange ich in der Grundschule war, hatten sich mein und Jonathans Wege nicht mehr gekreuzt.

 

Das zweite Gespräch mit Jonathan war bei ihm zu Hause: Es war einige Jahre später. Ich war vierzehn und hatte mich bei einem Schüleraustausch mit seiner kleinen Schwester Marie angefreundet. Sie trug oft bunte lange Röcke oder Kleider. Ihre Haare hingen ihr bis zum Bauchnabel. Sie hatte so einen Achtundsechziger-Hippie-Look. Das biss sich irgendwie mit dieser traurigen Aura, die sie damals oft umgab. Marie besuchte die Jahrgangsstufe unter mir.  Sie war zu der Zeit dreizehn, aber gerade mal vier Monate jünger als ich. Ich bin im Juni geboren. Sie im September.

Unsere Freundschaft war relativ schnell relativ eng geworden. Trotzdem hatte es einige Wochen gedauert, bis ich die Brücke zwischen ihrem großen Bruder Jojo und dem Jonathan, den ich noch aus der Grundschule kannte, geschlagen hatte. Die Brücke zwischen Marie und der Grundschule hatte ich noch viel länger nicht verstanden.

Das liegt zum Teil auch an Marie selbst. Einmal hat sie erwähnt, Jojo habe sie damals als erster unterstützt, sonst hat Marie aber weder über ihre Familie, noch über ihre Vergangenheit viel erzählt. Und wenn wir uns damals trafen, verabredeten wir uns auch meistens bei mir, in der Innenstadt oder am Fluss. Wenn wir doch mal bei ihr daheim waren, war sonst keiner daheim. Für mich war das nie ein Problem gewesen.  Ich interessierte mich damals für alles, aber nicht für die Familien und Vergangenheiten meiner Freunde.

Zumindest bis zu diesem einen Augusttag: Ich sollte sie vor ihrer Wohnung abholen und wir wollten später ins Kino gehen. „Hast du Lust, noch ne Kleinigkeit zu essen? Ich hab gerade sturmfrei.“ Ich willigte ein. Marie schien heute einen wirklich guten Tag zu haben. Ich freute mich immer, wenn ich sie so aufrichtig lächeln sah. Verspielt mischte sie aus bereits gekochten Nudeln, unterschiedlichsten Kräutern, Gemüse, zwei Chilischoten und ganz viel Sojasauce irgendeine chinesische Nudelpfanne zusammen. „Welchen Film willst du jetzt eigentlich sehen?“ Sie lächelte verschmitzt: „Lass dich überraschen.“ „Komm schon, gib mir wenigstens einen Tipp.“  Sie stand auf, ihr Grinsen wurde breiter. „Wenn du mich kurz entschuldigen würdest…“ Sie ging ins Bad.

Während ich weiter aß, klingelte es an der Tür. Marie rief aus dem Bad: „Kannst du schnell gehen? Wenn es die Post ist, leg alles einfach auf den Esstisch.“ Es war Jojo. Ich erkannte ihn sofort. Er hatte jetzt einen gegelten Undercut. Er trug ein weißes Shirt, zerrissene Skinny-Jeans und bunte Air Max. Mir fielen vor allem zwei Dinge auf: Mittlerweile hatte er extrem breite Schultern und er hatte stahlblaue Augen.

„Du bist also Charlie?“ Ich nickte. Er ging an mir vorbei. Ich schluckte. „Dann ist der neue Typ, mit dem meine Schwester hängt, tatsächlich der einzig korrekte Dude aus der Grundschule…

Keine Angst, Marie, ich muss nur kurz was holen und bin schon wieder weg.“

Mir verging das Grinsen über sein Kompliment, als Marie aus dem Bad kam. Irgendwas wirkte anders als sie sprach. Ich verspürte ein dumpfes Drücken in der Brust. „Hey, Jojo.“ „Hey, Marie!“ Er kam lächelnd aus seinem Zimmer, umarmte Marie, gab ihr einen Kuss auf die Stirn. In dem Rucksack, den er jetzt auf seinem Rücken trug, klirrten bei jeder Bewegung schwere Glasflaschen. Er verabschiedete sich. Marie ging in die Küche, stellte ihren halbvollen Teller in den Kühlschrank. „Wollen wir in die Stadt?“ Es war ihre Stimmung. Sie wirkte wieder gedämpfter. Ich verstand es damals noch nicht, aber es wirkte beklemmend. Das war das letzte Mal, dass sie mich in diese Wohnung gebeten hatte.

 

Unser drittes Gespräch fand im Trap-House statt: Ein kleines heruntergekommenes Einfamilienhaus am Stadtrand. Ein  dreiundzwanzigjähriger Typ, den ich nur als Jayjay kannte, hatte es, ich glaube, geerbt oder besetzt und zu einem kleinen anarchischen Treffpunkt für Jugendliche transformiert. Niemand dort war wirklich Teil meines Freundeskreis. Für meine Freunde und mich war das einfach, wo Sechzehnjährige wie wir am leichtesten an Gras kamen. Ich hatte mich dort nie wirklich wohlgefühlt. Der Name, die Leute, die Gerüche alles hier war mir ein bisschen fremd.

Der Grund, warum ich trotzdem wiederholt meine Freunde hierher begleitete: Jonathan. Hier nannten ihn alle Nathan (ich glaube nach dem Videospiel-Charakter) und ich glaube, er war mit Jayjay befreundet. Zumindest sah ich ihn immer, wenn ich das Trap-House besuchte. Ich wusste nicht, ob er mich noch erkannte oder ob ich ihm vielleicht peinlich war. Ich wollte ihn zwar jedes Mal ansprechen, wenn ich ihn durch ein Nebenzimmer streunen sah, fand aber immer einen Grund, es aufzuschieben. Bei meinem vierten Besuch hatte Nathan es dann selbst in die Hand genommen.

Zwei meiner Freunde, Theo und Linus, und ich wollten zur Geburtstagsfeier einer Freundin und sind davor noch am Trap-House vorbeigefahren, um kurz vorzuglühen und etwas zu Gras kaufen. „Joooo, hey, Jayjay, was geht Alter!“ „Theo, was geht, wie läuft es mit den Girls?“ „Nix offizielles, nix offizielles, aaaber bei der Feier von Fifi, da haben ich und…“ So führten sie Smalltalk, über Mädchen, Partys, Basketball. Ich entschuldigte mich aufs Klo. „Bring mal den Wodka ausm Kühlschrank mit… Und die Sprite…  Und den Hustensaft.“

Ich war gerade am Kühlschrank. „Charlie?“ „Jonathan!“ Ich könnte schwören, dass er immer noch das gleiche weiße Shirt getragen hat, nur war es dieses Mal in Baggy Pants gesteckt unter denen Docs hervorlugten. Seine Haare hatte er auf einen Zentimeter runter rasiert, er trug zwei Goldketten und mehr Ringe als Fingercan den Händen. Er musterte mich auch: „Dann warst du das tatsächlich…  Was geht?“ Er hielt mir die Hand hin. Wir schlugen ein. „Ganz gut soweit, ganz gut, dir?“ Er zuckte mit den Schultern. „Ja, läuft schon…

Bist du noch mit Marie in Kontakt?“ Sie machte damals ein Auslandsjahr bei einer Tante in Irland. „Wir schreiben.“ Er nickte: „Gut, gut.“ Er schien kurz zu überlegen. Dann: „Hast du Bock zusammen eine zu rauchen?“ „Ich muss die noch zu Jayjay bringen.“ Ich hob die drei Flaschen an. Er blickte über seine Schulter: „Hey Fifi, kannst du das mal rüber zu Jayjay bringen und richte den anderen aus, dass Charlie noch kurz eine Rauchen.“ Wieder zu mir: „Ich kenne hier nen guten Spot.“

Er nahm sich einen halb vollen Gin aus dem Kühlschrank und führte mich einmal durch das gesamte Haus, bis aufs Dach. Die Aussicht über den Hain und die Regnitz war wunderschön. Die Sonne neigte sich der Dämmerung. Die Blätter der Bäume leuchteten in allen Gelb-, Orange- und Rot-Tönen. Wir saßen auf den Stufen zum Schornstein. Er gab mir den Gin. Ich nahm einen Schluck. Er holte sein Drehzeug raus.

„Hast du selber?“ Ich schüttelte den  Kopf. „Kannst du drehen?“ Ich schüttelte den Kopf wieder. „Willst du überhaupt?“ Dieses Mal nickte ich. Er gab mir die erste und drehte eine zweite. „Wie gehts Marie?“ „Ich glaube ganz gut.“ „Du glaubst?“ „Ja, schon.“ „Wenn das dein Gefühl ist, dann vertraue ich dir… Ist das dein Gefühl oder bist du höflich gerade.“ Er steckte sich seine Zigarette in den Mund, zündete sie an und gab mir den Clipper.

„Bist du gar nicht mit ihr in Kontakt?“ „Ich hab zuerst gefragt.“ Ich nahm einen Zug, spürte direkt den Nikotinflash und sprach: „Ich glaube, Irland tut ihr voll gut, aber wir schreiben aktuell auch nur manchmal.“ Nathan lächelte: „Manchmal fällt es mir so schwer zu sagen, was Marie hilft und was alles nur schlimmer macht.“

Ich nahm noch einen Zug: „Du hast mir noch nicht meine Frage beantwortet.“ Er nahm die Gin Flasche, trank einen Schluck: „Ach, ich weiß auch nicht. Sie antwortet mir immer seltener auf meine Texte.“ Ich wartete, dass er von selbst weiter sprach. Er trank noch einen Schluck. „Ich weiß nicht, was ich falsch mache. Weißt du? Wir waren die ganze Zeit füreinander da: Sie hat mir mit Schulzeug geholfen und ich habe sie verteidigt. Vor allen: vor Mitschülern, vor Lehren, sogar vor unseren Eltern. Fuck! Ich wäre fast von der Schule geflogen für ihn… sie. Ohne mich würden sie heute immer noch alle J**** nennen. Meine Eltern wären nicht mal zum Arzt mit ihm gegangen, wenn ich ihnen nicht angedroht hätte, dass wir sonst wegrennen.“

Das war das einzige Mal, dass ich je Maries Geburtsnamen gehört hatte. Er  klang unpassend. Nathan hielt kurz inne. Dann: „Heute kann sie mir nicht mal mehr auf WhatsApp antworten.“ Ich hakte nach: „Sie hat dir gar keinen Grund gegeben?“ „Naja, ich weiß nicht…“ Er nahm einen Zug, stieß Rauch in die Luft. „Wir hatten mal telefoniert. Sie hatte irgendwas gemeint, sie fühlt sich dort viel freier und kann endlich vom Gewicht der Vergangenheit loslassen. Das Wissen, dass alle sie dort nur noch als Marie kennen und so… Ich dachte nicht, dass sie mich auch meint…

Je mehr Zeit vergeht, desto mehr frage ich mich, ob ich meine kleine Schwester anders behandeln würde, wenn sie nicht so geboren worden wäre und ob sie den Unterschied merkt.“ Er nahm einen letzten Zug. Ich versuchte ihn zu beruhigen: „Hhm… Vielleicht braucht sie gerade einfach etwas Abstand? Ich mein, sie weiß ja, dass du auf ihrer Seite bist…“ „Das ist es ja. Ich habe schon immer mein Bestes gegeben zu helfen. Warum kann das nicht genug sein?“ Er stieß den restlichen Rauch in die Luft: „Sorry, dass ich gerade meinen ganzen Shit auf dir ablade. Es ist nur… Ich glaube, wir hatten wirklich was Gutes und… und ich vermisse sie.“ „Alles gut, ich hoffe, ich kann dir irgendwie helfen damit.“ Er blickte über den Hain. Nach einer gefühlten Ewigkeit: „Mach dir darüber keine Gedanken…“ Er lächelte, unsere Blicke kreuzten sich. Wieder fielen mir seine Augen auf. Sie funkelten in der Abenddämmerung. Ich verlor mich fasst in ihnen. Sein Grinsen wurde zu einem Zurückstarren. Fragend hob er sein Kinn ganz leicht an. Ich nickte ihm einwilligend zurück. Dann ging es schnell. Lippen aufeinander. Meine Hand an seiner Schulter. Seine Hand auf meinem Oberschenkel. Münder öffneten sich. Seine Hand wanderte weiter nach oben. Mein Handy klingelte.

Es war Linus: „Jo, wir gehen jetzt weiter. Wo bist du?“ „Wartet kurz, ich komme gleich.“ Ich sah noch einmal kurz zu Nathan. Auf der Feier später konnte ich nur noch an ihn denken, alles dort wirkte irgendwie unecht im Vergleich - Performativ, als wäre ich in einem Theaterstück gefangen. Sechs Tage später räumte die Polizei das Trap-House. Wir haben uns wieder aus den Augen verloren.

 

Das ist jetzt über vier Jahre her. „Bist du dir sicher, dass du der richtigen Nummer geschrieben hast?“ Während Marie und ich durch den verschneiten Schotterweg stapfen, kann ich wieder nicht aufhören, an ihn zu denken. „Werden wir wohl gleich herausfinden…“

Marie ist zum ersten Mal seit Jahren wieder in der Stadt. Ihr Aufenthalt in Irland war am Ende deutlich länger als geplant. Als sie zurückkam, war sie bereit gewesen, ein eigenes Leben anzufangen. Ein eigenes Leben. Nach ihren eigenen Bedürfnissen. In ihrer eigenen Stadt. Ich habe sie oft dort besucht. Sie ist dort glücklich. Sie wollte nie zurück.

Heute ist sie zum ersten Mal wieder hier. Sie trägt einen langen Mantel, bis in die Kniekehlen. Ihre Haare sind hochgesteckt. Ihre Miene ist versteinert, wenigstens wirkt Marie nicht traurig, nur gestresst. Wir sind auf dem Weg zum Grab ihrer Großmutter. Sie wurde gestern beerdigt. Marie will ihr unbedingt ihre letzte Ehre erweisen. Sie hat mich gebeten, mitzukommen. Zuerst wollten wir zur tatsächlichen Beerdigung gehen. Marie hat es sich anders überlegt. „Meine Anwesenheit würde bestimmt nur eine perfekte Beerdigung ruinieren. Oma würde es nicht wollen, dass sich an ihrer Beerdigung über meine ‘Fehler’ gestritten wird.“ Ihr Bruder ist das einzige Familienmitglied, das Marie überhaupt über ihre Rückkehr informiert hat.

Vereinzelt fallen Schneeflocken vom Himmel. Der Grabstein ist minimalistisch. Die Blumen sind noch frisch. Eine dritte Gestalt betritt den Friedhof. Ihre Statur wirkt mager. Ihr Wintermantel ist ihr eindeutig zu groß. Ihre Haare sind kurz, formlos und ungepflegt. Ihre Augen hinter einer Sonnenbrille versteckt. „Marie,“ grüßt er. „Jonathan,“ antwortet sie. Er lächelt mir müde zu. „Hi,“ gebe ich zurück.

 

Einige Zeit stehen wir so zu dritt da. Starren schweigend auf das Grab. Bis Jonathan das Schweigen bricht. „Es hat also tatsächlich den Tod von Oma Marie gebraucht, damit ich meine Schwester wieder sehen kann.“ Sie hebt ihren Blick nicht vom Grab. „So willst du das hier anfangen?“ Dann fügt sie aufrichtig hinzu: „Es tut mir leid, okay?“ Sie wirft mir einen ruhigen Blick zu. Ich gehe zum Ausgang, stecke mir Kopfhörer in die Ohren und setze mich auf die Holzbank vor dem Friedhof.

Nach dem vierten Song kommt Jonathan. Marie ist noch nicht zu sehen. Er trägt keine Sonnenbrille mehr. Seine Augen sind geschwollen. Er setzt sich neben mich. „Habt ihr euch ausgesprochen?“ „Ich weiß es nicht…

Sie sagt, es tut ihr leid, will mich aber immer noch nicht in ihrem Leben haben.“ Er schaut zu mir: „Geht es ihr wenigstens gut aktuell?“ Ich nicke. „Viel besser als noch vor fünf Jahren.“ Er senkt seinen Kopf, schaut auf seine Füße. „Ich würde diese Seite gerne mal an ihr kennenlernen.“ „Ich weiß nicht, ob das geht…“ „Ich war doch immer auf ihrer Seite, sie hat das selbst gerade erst wieder zugegeben.“ Er schaut wieder auf, sucht meinen Blickkontakt.  „Ja, das warst du bestimmt auch…

Erinnerst du dich noch ans Hausdach damals?“ Er lächelt. Dann nickt er stumm. „Ich bin vielleicht nicht Marie, aber zumindest mich konntest du damals für einen Moment glücklich machen.“

Er schaut zum Ausgang des Friedhofes. Marie kommt: „Ich wäre dann soweit,“ und mit Blick zu Jonathan, „Mach‘s gut.“ Ich stehe auf, wir gehen, Jonathan bleibt sitzen, wir verlieren uns wieder aus den Augen.