Warum ich ein Fisch sein will
Ich will ein Fisch sein, hier meine Gründe:
Perry wäre gerne Boxer, doch er ist ein Kugelfisch. Pech gehabt.
Fisch, der (Subst., maskulin, Pl.:Fische): 1. Schuppiger Kiemenatmer, der König des Wassers, Flossen besitzender Hydropaddeler, der nicht weiß, was die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung ist und sorglos seine Existenz in einem Gewässer seiner Wahl verbringt.
Beispiele: a) Der Fisch geht nicht zu Aldi, der Fisch muss für sein Essen nicht bezahlen.
b) Der Fisch ist dem Menschen genetisch überlegen und wird uns alle unterwerfen.
c) Der Fisch klaut an der SB-Kasse und wird nicht erfischt.
d) Ich will ein Fisch sein!
Kompliment unter Menschen, um die absolute Überlegenheit des Gegenübers auszudrücken.
Beispiele: a) Du FISCH!
b) Der ist voll der Fisch geworden, ey!
c) So einen guten Cunnilingus habe ich noch nie erfahren, bist du ein Fisch?
Gestern bin ich zum Einkaufen in das Allee-Center gegangen. Mein Kühlschrank war leer, meine Stimmung gedrückt und mein Magen flehte mich um Essen an. Ich ging die Einkaufsmeile entlang und betrat den Rewe. Dort war eine alte Frau, bucklig, mit einem langen ockerfarbenen Mantel, die weißen Haare lugten unter einem rosa Kopftuch hervor, sie trug mehr Schmuck als Deutschland Bundesländer*innen hat - Goldschmuck. Trotz des Alters stolzierte sie mit zehn Zentimeter hohen Absätzen weg von der SB-Kasse. Als sich unsere Blicke kreuzten, sprach sie: „Du siehst müde aus.” Ich antwortete: „Joachim-Friedrich Martin Josef Merz will, dass ich auf der Straße schlafe, weil meine Panikattacken zu stark sind, um Termine beim Arbeitsamt wahrzunehmen”. Die Frau lächelte: „Das Leben auf der Straße ist auch ein Leben.” „Ja, solange du nicht erfrierst, verhungerst oder umgebracht wirst.” Sie nickte. Dann holte sie ein Paulaner Spezi aus ihrer Tasche: „Nimm erstmal einen Schluck davon, das beruhigt die Nerven.” Mit einer schnellen Bewegung klopfte sie den Deckel der Flasche an ihre Ferse und PLOPP, die Flasche war offen, sie reichte sie mir. Ich nahm einen Schluck.
„Wärst du lieber ein Karpfen in der Saale?" fragte sie mich. Nicken. Ich wäre so gerne ein Fisch.
Am nächsten Tag wachte ich auf und war ein schuppiger Kiemenatmer im Süßwasserfluss. Fröhlich und unbeschwert schwamm ich auf und ab, nahm hier und da einen Happen und lebte das Leben, das ich immer haben wollte. Um drei Uhr am Nachmittag nahm ich einen besonders leckeren Happen, doch leider hatte dieser einen Haken. Die miserablen Götter zogen mich aus dem Wasser. Zappelnd versuchte ich zu atmen, einer holte sein Maßband aus der Tasche und legte es von meinem hydrodynamischen Kopf bis an meine stolze Schwanzflosse. Mir unbekannte Gesänge erfüllten die Fremdheit, die miserablen Götter kommunizierten. Der andere griff nach einem Messer. Ich zappelte, versuchte aus den Greifern zu entgleiten, ich musste zurück in die süße Saale, bevor die miserablen Götter mir die Existenz entziehen konnten. Die Greifer um mich wurden enger, dann drang das Messer in meinen Bauch, meine Schuppen konnten mich nicht schützen, als die Gedärme meines Körpers entglitten. All die leckeren Speißen durften nicht länger in meinem Körper verweilen. Ich spürte Schmerzen, ich spürte Trauer und ich spürte Angst. Ich zappelte ein letztes Mal, die Welt drehte sich um mich, bald ohne mich, und meine fischige Glückseligkeit fand ein qualvolles Ende.
Pech gehabt.