Cornflakes



Rüdigers Schälchen war aus Porzellan und war mit einem Herzchen Muster bemalt. Bei der Milch ist er in den 4 Jahren, in der ich ihn Cornflakes essen sah, immer der ja! Vollmilch treu geblieben. Der Lack des Schälchens blätterte schon am aller ersten Tag ab, doch ich weiß noch, als wir alle in der 11. Klasse waren und an der Müsliesser-Ecke standen, taten wir so, als wäre es ein Zeichen seines Pioniergeistes gewesen. Das stimmte auch damals, als wir noch in der 9. Klasse waren und das Müsliesser-Ecke noch das Rauchereck gewesen war, war Rudi der erste gewesen, der sich mit einer Packung “ja!-Milch” und diesem Porzellanschälchen voller Cornflakes dazu stellte und sein Müsli aß. Rüdiger war schon in der 9. Klasse unglaublich groß und breitschultrig, außerdem hatte er einen sehr dunklen Teint und ich hatte ihn seit er in der 8. Jahrgangsstufe in unsere Schule kam noch nie ohne seinen gezwirbelten Schnurrbart gesehen. Obwohl es längst nicht mehr cool war, legte er noch bis ins Jahr 2020 jeden möglichen Meter mit dem Longboard zurück, was ihn nur noch cooler machte. Rüdiger lebte Polygam vor allem mit Steven aber auch mit Maria und Sonja und eigentlich mit jedem der mal vorbei kommen wollte und sie alle verehrten Severus Snape und Lady Gaga auf eine religiös-sexuelle Art und Weise, zumindest bis zur Veröffentlichung von „A Star Is Born“ dann war Ihnen Gaga zu Mainstream und sie wechselten zu Hilary Clinton. Was ich schon damals ein bisschen cringy fand.

 

Mein Müslischälchen hatte ja antike Zeichnungen von der griechischen Olympiade, was mir den Spitznamen „Roomate“ einbrachte. Dazu schütte ich immer die Vanille Milch von Alpro auf meine Cornflakes und es wurde zwar nie ausgesprochen, aber ich bin mir eigentlich relativ sicher, dass sich alle einig waren: Nach Rüdiger war ich die coolste Person in der Müsliesserecke.