Picknick am Stadtrand

21.02.2026 14:52

Es ist ein leicht bewölkter Samstag Nachmittag. Wir sitzen auf einer Decke am Rand eines Feldes. Auf der einen Seite Hecke und dahinter Wohnsiedlung, auf der anderen Seite zieht sich das kurz geschorene Feld über Kilometer. Am Horizont Schornsteine, Fabrikgebäude, Bäume und eine gut befahrene Landstraße.

Eigentlich war ich heute früh noch zu müde und lustlos, um das Haus zu verlassen, aber meine Freundin hatte darauf bestanden. Jetzt bin ich eigentlich ganz froh darüber, hier zu sein. Hier an der frischen Luft. Hier gelegentlich im Sonnenschein. Und hier im verfrühten Frühling. Es ist zwar noch nicht super warm heute, doch warm genug, um in einer Jacke nicht zu frieren. Ich und meine Freundin gehen gerne zusammen raus, spazieren, picknicken oder was auch immer. Wenn wir daheim sind, sind wir in unserer Einzimmerwohnung manchmal doch zu eingeengt, um uns wirklich auf Qualitytime einlassen zu können. Wir saßen so da, haben über unterschiedlichste Dinge gesprochen, sie hat angemerkt, dass die Wolken am Horizont doch etwas dunkler waren, als die über uns und dann kam das Thema meiner Bewerbungsmappe auf. Mir fehlt aktuell noch ein letzter Text, bevor ich diese abschicken kann.

So bin ich dann durch meine Webseite gegangen, als ich mich gefragt hatte: Warum schreibe ich eigentlich gerade keinen Orte-Text über das Picknick? Wenn ich draußen unterwegs bin, nehme ich mir gerne an einem Ort die Zeit, um kurz durchzuatmen und zu reflektieren, was das eigentlich für ein Ort ist, was der mit mir macht und was mir so durch den Kopf geht, wenn ich dort verweile. Es ist das Gegengift zu Schreibblockaden und hilft mir in einer gewissen Regelmäßigkeit Texte zu Papier zu bringen.

Der Ort hier ist echt schön und es ist auch nicht das erste Mal, dass wir hier picknicken. Wenn du aus der Plattensiedlung von Grünau entkommen willst, ist das für uns der schnellste Weg. Zur Tür raus, am Lidl vorbei, eine Straße überquert, kurz durch die Wohnsiedlung und schon können wir unser Picknick am Stadtrand haben.

Wir sitzen auf einer Decke, essen Nüsse und teilen uns ein Spaßgetränk. Der Lärm der Straße ist hier nur gedämpft zu hören. Vögel beleben das Feld und abgesehen vom ein oder anderen Spaziergänger sind wir hier plötzlich ganz alleine.

Ganz für uns.

Hier können wir uns die Zeit nehmen, über alles zu reden, was uns in den Sinn kommt, und hier kann ich sitzen und einen neuen Text über Orte schreiben.

Mittlerweile ist es 15:19 Uhr und langsam ziehen doch dunklere Wolken auf. Der Wind wird stärker und die Vögel stiller, doch ich will noch nicht gehen. Wir hatten doch gerade erst das Haus verlassen, ich habe mich aufgerafft und das Wetter will uns jetzt schon nicht mehr am Stadtrand picknicken lassen. Ich ziehe meine Jacke zu und nehme einen weiteren Schluck. Solange kein Regentropfen gefallen ist, können wir doch noch hier verweilen. Meine Freundin sieht das langsam anders: Die Kälte nimmt zu und auch wenn es nach wie vor trocken ist, müssen wir ja nicht warten, bis wir auf dem Heimweg mit Sicherheit nass werden. Wir sind jetzt bestimmt bald eine Stunde draußen und ich muss ihr doch recht geben.

Noch verweilen wir hier und warten auf die ersten Regentropfen, aber ich bereite mich schon einmal darauf vor, zu gehen. Ich packe das Essen zusammen. Es ist weniger schön hier, als es noch vor Minuten war. Ich ziehe meine Schuhe an und trinke die Dose leer. Früher oder später muss jeder Moment sein Ende finden und so findet auch dieser Text jetzt sein Ende.